Contemplations: Ink on Prints (2017-2019)

2017/2019 - mixed media | photographic prints, ink on paper, 24ct gold on paper, collage |

Two themes, since forever:

Inscription, the act: the quill gliding over paper; the light recording a trace of reality onto the photographic medium; the brush on the canvas; the world inscribing itself into us.

Intensity, the amplitude: Inner Experience; pain and joy; the point where a work of art hurts or comforts us, howsoever strikes us.

The work as practice of the self: photographs, taken on film, processed in the darkroom, covered in handwritten texts of Western mysticism, in weeks long sessions.

Practices towards happiness: When suffering turns into joy and the defeated ego withdraws from the process.

Reflections about body and mind, image and text. Experiences of the human and the sacred.

To endure everything. To become nothing. To become everything.

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Thomas Sing | les douceurs continuelles (diptych) | photography and calligraphy | ink on silver gelatine prints | 2017 | details

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Thomas Sing | Le lit d'épines (diptych) | photography and calligraphy | ink on silver gelatine prints | 2018


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Thomas Sing | Sublimierungsdifferential | photography, calligraphy and paint | ink on silver gelatine print | 2018

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Thomas Sing | dic Maria quid vidisti | photography, calligraphy and paint | ink on silver gelatine prints (collage) | 2018

Zwei Themen, schon immer:

Inskription, der Akt: die Feder, die über Papier gleitet; das Licht, mit dem sich die Spur der Realität auf dem photographischen Medium einprägt; der Pinsel auf der Leinwand; die Welt, die sich in uns einschreibt.

Intensität, die Amplitude: Innere Erfahrung; Schmerz und Freude; der Punkt, an dem das Kunstwerk verletzt oder tröstet, uns wie auch immer trifft.

Das Werk als Selbstpraktik: Fotografien, selbst auf Film aufgenommen und in der Dunkelkammer vergrößert, mit Texten der abendländischen Mystik überschrieben, in oft wochenlangen Arbeitsphasen.

Übungen zum Glück: Wenn das Leiden in Freude umschlägt und das Ego sich letztendlich geschlagen aus dem Prozess zurückzieht.

Reflexionen über Körper und Geist, Bild und Text. Erfahrungen des Menschlichen und des Göttlichen.

Alles ertragen. Nichts werden. Alles werden.

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"Das Denken will, dass ein fester Sinn hinter den Dingen steht, aber die Welt, in der wir als Körper leben, ist Wandel und Werden. Alles, was im Abendland und im Morgenland »Mystik« genannt wird, ist überpolitisch und antiimperialistisch. Mich überzeugt Wenses Definition: »Wissen von der Tiefe der Welt.« (...)
 Der Rosenkranz, aus alten Zeiten stammend in unendlichen Varianten, ist ein Halt der Sinne, ein Leitseil des Gebets. Ich benötige ihn nicht als Hilfsmittel der Andacht, der contemplatio. Lieber sind mir aus Blüten geflochtene Räder des Lebens (auf dem Lockenkopf der Enkelin, die mittlerweile schon Mutter), Kränze des Flüchtigen, Sinnbilder unseres Kommens und Wieder-Gehens. Dichten heißt einen Kranz von Worten bilden. (...)
 Der Mensch der Zukunft müsste ein Mystiker sein, soll der Mensch überleben. Mystik ist keine Spezialität. Ich weiß, die Mystik hat gewöhnlich eine schlechte Presse. Aber wir leben unter solchem Druck, dass wir zermalmt sind ohne Mystik. Jeder Mensch ist ein Mystiker, hat die Wahrnehmung des Unsichtbaren. Wie dies kultivieren? Indem wir uns öffnen, nicht durch den Willen, die Tiefendimension des Lebens zu erfahren in der heutigen Welt. Das Wie ist enthalten in uns selbst, indem wir hörende und sehende Menschen werden. Die Erfahrung ist unteilbar. Deshalb ist jede echte Erfahrung ein Mysterium. Die Erfahrung überwindet die Dualität, verneint sie nicht.
 Die Spaltung Theorie-Praxis ist falsch, weil eine latente Einheit, nicht im Sinne einer rationalen Erkenntnis, sondern als eine reale Anschauung sui generis. In jedem von uns ist eine Wahrnehmung, dass es etwas mehr gibt: das Unsagbare. Das Wahrnehmen dessen, was ich nicht sagen kann, das ist auch ein Wahrnehmen. Ich kann das Ganze weder beherrschen noch verstehen, doch ich bin in ihm eingeschlossen. Das Ineinanderfließen aller Gegensätze. Das Konkrete ist die Konkretisierung des Ganzen, eine Offenbarung, nicht ein Teil des Ganzen. Der Glaube hat kein Objekt, das wäre Idolatrie. Es ist die Wahrnehmung des Offenen. Es gibt spezielle Momente, in denen man aufgeschlossen ist, das Ganze zu erfahren (Musik, Natur, Liebe, die Messe), Rituale helfen. Jeder von uns ist Künstler unseres Lebens."
(Axel Matthes: Georges Bataille nach Allem. Zerstückte Motive. (= splitter 07, edition blauwerke, Berlin 2017, S. 40f.)
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This is a selection of my ink on print works. If interested please contact me via mail or phone. I will be happy to share with you more detailed information.

China ink work on silver gelatine prints: micro handwriting, drawing and painting.
All prints are on highest quality paper (Ilford Hahnemühle Baryta) and made by Thomas Sing in his dark room following a strict archive sequence, ensuring gallery quality. All featured texts are by female mystics and range from the 12th to the 20th century.

With text excerpts by: Marguerite-Marie Alacoque, Ann Bathurst, Hildegard von Bingen, Angela da Foligno, Veronica Giuliani, Margery Kempe, Madeleine Lebouc, Mechthild von Magdeburg, Dorothea von Montau (Dorota z Mątowów), Julian of Norwich, Elsbeth von Oye, Agnes von Prag (Anežka Česká), Maria Maddalena de' Pazzi, Caterina da Siena, Simone Weil